The Windship Bottle

1841 wurde die erste Babyflasche von Charles M. Windship in den USA zum Patent angemeldet.

Manche Modelle hatten freundliche Aufforderungen eingeprägt wie "Feed The Baby".

The Alexandra Feeding Bottle

Von 1901 bis 1918 produzierte S. Maws Son & Thompson diese wegen hygienische Mängel stark kritisierte Babyflasche.

Good Luck Nursing Bottle

Glück konnte man wegen der hygienischen Probleme tatsächlich gut brauchen. Zur Sicherheit war in der Mitte ein Hufeisen eingeprägt.

Acme Nursing Bottle

Gemarkt mit PTP & Co und achtzackigem Stern.

Saugflasche Moncovaut

Dieses Babyfläschchen wurde um 1900 in Frankreich für den deutschen Markt gefertigt. Auch sie gehörte zur "Killerkategorie".

La Biberon Robert

Die französische Regierung verbot 1910 wegen Hygienischer Probleme diese Rohrfläschchen. 

The Albert Hygenic Feeder

Großer Fortschritt.

Hygienische Bananenflasche mit zwei Öffnungen.

The Maternal Feeder

Gemarkt mit B. J. L. London

Baby´s Favorite Feeder

Fortschrittliche Flasche mit zwei Öffnungen in der sogenannten Banjo- oder Schildkrötenform.

Diese Babyflaschen befinden sich in der Sammlung der Woodward Biomedical Bibliothek der Universität von British Columbia.

Links:

Besucherzaehler

Zuletzt aktualisiert:

05.06.2016

DIE FLASCHEN DER JAHRHUNDERTWENDE

The Alexandra Feeding Bottle

The Alexandra Feeding Bottle
© Babybottle Museum
Top The Alexandra Feeding Bottle

Diese wunderschöne Babyflasche wurde seit 1901 von der Firma S. Maw Son & Thompson in London hergestellt.

Leider erhielt sie nach kuzer Zeit hässliche Beinamen: The Murder oder The Killer. Diese Namen waren durchaus berechtigt.

1918 wurde die Produktion eingestellt.

Flaschen dieser Art wurden Ende 1800 in großen Stückzahlen produziert. Viele hatten süß klingenden Namen wie "My Little Pet" und "Mummies Darling", während andere sehr nationalistische Namen hatten wie "The Empire", "The National", "'The Victorian". Einige trugen einfach den Namen des Herstellers, aber viele profitierten von der Beliebtheit der Prinzessin von Wales und trugen den Namen: "The Princess" oder "The Alexanda". Allerdings verdeckten diese klingenden Namen die versteckten Gefahren dieser kleinen unscheinbaren Flaschen.  Die Kindersterblichkeit war extrem hoch. Nur zwei von zehn Kindern wurden zwei Jahre alt.

Die Hygiene war mangelhaft und die Flaschenkinder lebten gefährlich.

 

Probleme mit der Hygiene

© Babybottle Museum
© Babybottle Museum

Konstruktionsbedingt waren diese Flaschen unmöglich sauber zu halten.

Sie hatten ein integriertes Glasrohr. An dem Glasrohr war ein Gummischlauch angebracht, der mit einem knöchernem Mundschild und einem Gummisauger endete.

Obwohl ein Großteil der Ärzteschaft schon lange deutlich warnte, waren sie bis in die 1929er Jahre gut zu verkaufen. Die Popularität wurde auf die Tatsache zurückgeführt, dass das Baby unbeaufsichtigt beim Füttern bleiben konnte, noch bevor es alt genug war um die Flasche zu halten.

 

The Alexandra Feeding Bottle wurde in zahlreichen Varianten hergestellt. Sie war außerordentlich erfolgreich und wurde weltweit verkauft. Zum Erfolg beigetragen hat wohl die Tatsache, dass Alexandra Prinzessin von Wales diese Flasche benutzte.

The Marion Feeding Bottle

© Babybottle Museum
© Babybottle Museum

Das hygienische Problem war bei allen Flaschen dieser Bauart gleich. Immerhin wurde eine Reinigungsbürste mitgeliefert.

La Biberon Robert

Biberon Robert
© Musée de la vie bourguignonne

1870 entwickelte der Ingenieur Edouard Robert aus Dijon eine neuartige Säuglingsflasche. 1873 wurde der "Biberon Robert" in Paris auf der Weltausstellung prämiert.

Die Rohrfläschchen erfreuten sich weltweit bei den Müttern großer Beliebtheit. Ein Steigrohr im Innern der Flasche machte das schräge Hochhhalten der bis dahin gängigen Flaschenmodelle entbehrlich. So konnte das Kind die Flasche selber halten, während die Mutter ihrer Arbeit nachging. Viele dieser Flaschenkinder erkrankten allerdings an tödlichen Magendarmkatarrhen. In den langen Rohren sammelten sich die pathogenen Keime in großer Menge.

Biberon Robert
Catalogue Robert 1910, © ludogrid

Die französische Regierung verbot 1910 die Rohrfläschchen. Im 19. Jahrhundert starben 7 von 8 Säuglingen, denen die Flasche anstelle der Brust gegeben wurde.

 

Der Katalog von 1910 reagierte frühzeitig mit neuen Modellen auf das drohende Verbot der "Rohrfläschchen".

Die Bananenflasche ...

... wird oft die Hygienische Flasche genannt. Sie sorgte für das Überleben vieler Flaschenkinder in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Die verbesserte Möglichkeit zur Reinigung durch Öffnungen an beiden Enden, ohne Saugrohr und Gummischlauch, war ein großer Durchbruch für die Hygiene. Die Säuglingssterblichkeit sank.

The Allenbury Feeder

© Babybottle Museum
© Babybottle Museum

Die erste Bananenflasche mit einem Sauger und Ventil wurde 1894 von Allen & Hanbury erfunden. In den nächsten 15 Jahren wurde das Modell leicht modifiziert. Im Jahr 1910 stand das endgültige Design.'The Allenbury Feeder blieb für die nächsten 50 Jahre unverändert.

The Griptight Feeder

1920 bis 1950

The Nestlé Feeder

So wurde diese Babyflasche von Nestlé 1939 beworben.

Schon 1868 hatte Nestlé ein Pulver auf den Markt gebracht, das als "Kindermehl" bekannt wurde. Nestlé hatte die Rezeptur von Liebig mit kondensierter Milch kombiniert.

Es wurde mit Wasser aufgekocht. Im ersten Jahr verkaufte er 8600 Dosen, 1875 waren es 1,44 Millionen. Ob Nestlé in der Frühzeit auch die "Killer"-Flaschen beworben hat weiß ich nicht. Nestlé war einer der ersten Unternehmer seiner Zeit, der mit großem Aufwand für seine Produkte warb. Allerdings ist mir der Slogan von 1974 "Nestlé tötet Babys" unvergessen.

The Best Nurser NY

Die Bananenform war nicht immer gegeben, aber das Prinzip der zwei Öffnungen setzte sich durch. Auch in New York.

Die Saugflasche Monchovaut

Dieses Babyfläschchen wurde um 1900 in Frankreich für den deutschen Markt gefertigt.

Innen war ursprünglich ein Steigrohr angebracht, an dem ein Gummisauger befestigt war.

Es gab also zu der Zeit auch in Deutschland diese gefählichen Flaschen.

Sie gehört zur "Killerkategorie".

 

DIE BABYFLASCHEN AUS DEUTSCHLAND

Deutsche Säuglingsflaschen haben durchweg eher pragmatischen Charakter. Außer Maßeinteilungen und gelegentlichen Hinweisen auf ein Patent, gibt es kaum Erbauliches oder Kreatives. Selbst Markennamen sind die Ausnahme.

© Deutsches Historisches Museum
© Deutsches Historisches Museum

Neben der Maßeinteilung von 1 bis 11 sind auch andere Prägungen im Glas erkennbar, aber nicht zu identifizieren. Deutlich lesbar ist PATENT.

Der Sauger hat den Stempel "Doxa / warm vulk."

um 1920

© Deutsches Historisches Museum
© Deutsches Historisches Museum

Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich Milchpulver für die Säuglingsernährung. Nun bekamen alle Flaschen eine Messskala. Die Mütter konnten die Menge des Pulvers ablesen und die Menge des zugefülten Wassers. Sehr praktisch. Allerdings war es nicht so einfach das Pulver in die enghalsigen Flaschen zu schütten. Manches ging danaben, Aber vorerst war es noch nicht möglich robuste weithalsige Flaschen zu produzieren. Die kamen erst um 1950 auf den Markt.

Der Sauger Mutterglück

Mutterglück Flaschensauger

Flaschennuckel der Marke "Mutterglück"von 1930.

 

Erst 1845 wurde von Elijah Pratt aus New York  die Gummi-Brustwarze zum Patent angemeldet. Sie hat schlecht geschmeckt und fand zunächst wenig Begeisterung bei den Säuglingen.

Andere Brustwarzen der Zeit wurden aus Metall, Glas, Elfenbein, Kork oder Holz gefertigt. Letztlich setzte sich aber die Gummivariante durch.

Die Kochfeste

Schwer und dickwandig.

Enghalsflasche um1930.

Die Qualität des Glases gestattete nur die Herstellung von enghalsigen Flaschen, sonst lief man Gefahr, dass die Flasche bei der geringsten Beanspruchung zu Bruch ging.

Der enge Hals aber stellte ein erhebliches hygienisches Problem dar.

Diese Flasche trägt die Prägung "Kochfest". Das klingt etwas prosaisch, ist aber immerhin ein handfester Hinweis auf die Eignung zur Sterilisation.

Keine Markung des Herstellers.

Die Puppi-Flasche

Puppi-Flasche

Enghalsflasche um1930.

Diese Flasche hat immerhin einen niedlichen Namen: "Puppi".

Und es gibt die Bodenmarkung MG.

 

Gerne wüsste ich, ob es in der NS-Zeit nationalistische Markennamen für Babyflaschen gab. Das würde eigentlich sehr naheliegen, aber ich kann nix finden.

Ich kann mir schlecht vorstellen, dass Goebbels die Möglichkeit zur Propaganda auf Babyflaschen nicht genutzt hat.

Die einzige Erklärung wäre, dass die Nazis eine kranke Einstellung zur Milchflasche hatten und Anhänger der Brusternährung waren.

 

Stillen für Führer, Volk und Vaterland

Mutterkreuz
Mutterkreuz

Zwischen 1935 und 1945 lag die Stillquote bei nahezu 100 Prozent. Die national-sozialistischen Propaganda verfocht die Ernährung an der Mutterbrust: „Deutsche Mutter, wenn Du stillst, tust du nicht nur deine Schuldigkeit deinem Kinde gegenüber, sondern erfüllst auch eine rassische Pflicht“. Gleichzeitig war mit diesem Imperativ eine geradezu mythische Erhöhung der Frau als Mutter verbunden, die durch die Ernährung des Kindes an der Brust etwas Einzigartiges leistete und dadurch geadelt wurde.

Zu dieser Zeit wurden keine Säuglingsflaschen produziert. Warum auch?

Heute ist die Stillquote ähnlich hoch. Upps!

Der Klassiker ... Jenaer Glas

Seit 1921 wurden unter dem Markennamen JENAer GLAS Kindermilchflaschen hergestellt. Die heute noch gültige Form wurde von dem Bauhaus-Künstler Lázló Moholy-Nagy weltweit erfolgreich beworben. Ob er das Design auch kreiert hat ist unklar. Hauswirtschaftsglas wird bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zu einem bedeutenden Umsatzträger des Unternehmens.

 

 

© Jenaer Glas
© Jenaer Glas

"Das Baby schreit nicht nur zum Spaß, es will die Milch aus Jenaer Glas"

 

Der Reim ist etwas holprig, war aber sehr erfolgreich.

So geht´s natürlich auch ...

... obwohl es Ängste gab, dass der schlechte Charakter der Amme mit

deren Milch vom Kind aufgesogen werden könnte.

Diana von Poitiers nach einem Gemälde von François Clouet, links ihre Amme, 1570

Diana von Poitiers, Gemälde von François Clouet, 1570

links ihre Amme mit Wickelkind.

Bekannt wurde sie als Mätresse und Vertraute König Heinrichs II. von Frankreich